Das "Dampfradio"
Wer von uns Älteren erinnert sich nicht noch an die schönen alten Radios, die damals die Wohnzimmer und Küchen dominierten. Der Fernseher war bis in die Mitte der 60ziger Jahre für die breite Bevölkerung noch unerschwinglich so wurde das Radio zum Unterhaltungsmedium schlechthin. Bis zu dieser Zeit wurden Radios als Möbelstücke designed, die sich harmonisch dem Einrichtungstil anpassen sollten.
Die großen Geräte kosteten nicht selten ein vielfaches des Monatseinkommen und waren der Stolz der Familie. Heute haben sie ausgedient und landen nicht selten nach vielen Jahren des Kellerdaseins auf dem Sperrmüll.

Ich habe mich erbarmt und ein paar dieser Stücke vor der Verschrottung gerettet. Ich bin nun mal mit dem Transistor aufgewachsen und somit war der Einstieg in die Technik der Elektronenröhren für mich ein schwerer Weg aber die abgebildeten Geräte sind Heute alle funktionsfähig. Neben dem Faktor Zeit ist das Sammeln alter Radios auch sehr platzintensiv. Das ist der Hauptgrund warum ich mich von diesem Gebiet abgewendet habe.

Die noch verbliebenen Geräte werden jedoch benötigt um alte Plattenspieler stilecht zu betreiben. Die Phonoeingänge dieser Geräte sind nämlich sehr hochohmig und optimal für den Anschluss der damals verwendeten Kristall- und Keramik-Tonabnehmer ausgelegt

 

Hersteller: TEFAG
Modell:Volksempfänger
Typ: VE301 W dyn
Baujahr: 1938


Nach der Machtergreifung 1933 erkannten die Nationalsozialisten die Wichtigkeit des Mediums Rundfunk für Propagandazwecke. Da die Rundfunkgeräte zu dieser Zeit noch ein Vielfaches eines durchschnittlichen Monatseinkommens kosteten wurde mit dem standardisierten Volksempfänger, der von allen Radioherstellern produziert werden musste, ein kostengünstiges Gerät für die breite Masse geschaffen. Die 70 Reichsmark, die das Gerät in der Anschaffung kostete, konnten sogar über ein staatlich gefördertes Darlehen in monatlichen Raten beglichen werden. Technisch war das Gerät auf der Höhe der Zeit. Dass mit diesen Geräten angeblich keine ausländischen Sender zu empfangen gewesen wären ist ein Märchen. Wurde doch gerade dies anfänglich sogar entsprechend beworben. Das Verbot solche Sender zu hören erfolgte erst später, aber die Gräte waren nie dahingehend, technisch beschränkt.

Das abgebildete Radio ist das Einzige auf dieser Seite zu dem ich eine persönliche Bindung habe. Ich habe es, wenn man so will, aus erster Hand erhalten. Es stand bis zu seinem Tod 1977 auf dem Nachttisch meines Urgroßvaters.

Hersteller: Siemens
Modell: Grossuper
Typ: G8
Baujahr: 1958/1959

Hier gibt´s die original Serviceunterlagen zum Download!

Bedienungsanleitung Teil I
Bedienungsanleitung Teil II
Abgleichanweisung
Schaltplan

Hersteller: Grundig Radio Werke Fürth
Modell: 3D Klang
Typ: 3045W/3D
Baujahr: 1954/1955

Hinter dem Begriff "3D Klang" verbirgt sich die Absicht durch den Einsatz mehrerer Lautsprecher, deren besondere Anordnung und entsprechender Filter eine Art Raumklang zu erzeugen. In der Tat besticht das Gerät auch Heute noch durch seinen fantastischen Klang. Die Vorstellungen der Stereophonie spukten den Entwicklern schon durch die Köpfe, aber es sollten bis zu dessen Einführung noch ein paar Jahre vergehen. 
Hersteller: VEB Stern-Radio Sonneberg
Modell: Weimar
Typ: 4680
Baujahr: vermutlich 1960

Das sehr schöne und in einem tadellosen Zustand erhaltene Gerät (Gehäuse Echtholzfunier, Kirschbaum) ist ein deutlicher Beweis dafür, dass man zu Beginn der 60ziger Jahre in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Technik und Design den Anschluss im Radiobau gegenüber der Bundesrepublik noch nicht verloren hatte. 
Hersteller: Loewe Opta
Modell: Bella Modern
Typ: 42013
Baujahr: 1963/64


Das Design diese Geräts ist geprägt durch eine klassische und kühle skandinavische Linie, die Mitte der sechziger Jahre Einzug hielt und das Wirtschaftswunder-Barock ablöste. Zum Preis von 279 Deutsche Mark gab es das Gerät auch in einer Variante aus hellem Holz.
 
Hersteller: Saba
Modell: Mainau
Typ: F
Baujahr: 1971 bis 1973


Dieses Radio ist bereits volltransistorisiert, passt also eigentlich gar nicht mehr auf diese Seite.
Es gehört zu der Sorte sogenannter "Küchenradios" auch wenn das hochwertige Holzgehäuse durchaus als schmuckes Beiwerk zu den damaligen Wohnzimmereinrichtungen dienen konnte.
Das Modell Mainau war das teuerste Monoradio im Programm der Firma Saba. Zum Preis von rund 300 Deutsche Mark war es ein tönender Beweis dafür, dass man auch mit nur einem Lautsprecher auf hervorragenden Klang nicht verzichten musste. Die Empfangsleistung und die Trennschärfe sind bis zum heutigen Tag vorbildlich. In modifizierten Ausführungen war die Modellreihe Mainau bis 1981 im Portfolio der Firma Saba. Erst 1983 endet bei Saba die Ära der Monoradios.

Viele Informationen zu diesem Thema findet man hier:
http://www.50er-radios.de/ 
Und hier lohnt sich ein Besuch:
  http://www.rundfunkmuseum.fuerth.de/