Vinyl braucht Pflege
1Verschmutztes Vinyl
2Cover und Label
   
2.1 Cover matt bedruckt
   
2.2 Cover glänzend bedruckt
   
2.3 Cover mit Kunststofffolie laminiert
   
2.4 Plattencover mit Aufklebern
   
2.5 Beschriftete und beklebte Plattenlabel
   
2.6 Sonderfall Schimmel
Die Qualität der Musikwiedergabe ist in viel stärkerem Maße von einem pfleglichen Umgang mit dem Material und der Technik abhängig, wie bei der CD. Ein Plattenspieler kennt keine Fehlerkorrektur. Die Sache ist auf einen kurzen Nenner zu bringen: Sauberes Vinyl = Sauberer Klang.
Der andere Punkt ist die Hülle einer Langspielplatte auch Cover genannt. Schon alleine deren Größe hat den Künstlern einen Freiraum für größere Kreativität geschaffen, die diese in oftmals beeindruckender Weise umgesetzt haben. Und dann auch noch Informationen, die man ohne zu Hilfenahme einer Lupe lesen kann. Auch hier gilt: Unbedingt erhaltenswert!
Ich kaufe meine Schallplatten fast ausschließlich aus „zweiter" Hand auf Flohmärkten und Second-Hand-Plattenläden. Demzufolge sind Vinyl und Plattencover oftmals in einem sehr ungepflegten Zustand. Eine Reinigung ist darum dringend notwendig.
1 Verschmutztes Vinyl

I
ch verwende zum Waschen der Platten eine „Knosti". In einer mit Reinigungsflüssig-keit gefüllten Wanne wird die mit einem Label-Schutz versehenen Platte gedreht. Dabei streifen Ziegenhaarbürsten links und rechts an der Platte und lösen Verschmutzungen. Die Reinigungsflüssigkeit mische ich aus 30% Isopropanol und 70% destilliertem Wasser plus ein paar Tropfen Geschirrspülmittel zu Entnetzung selber (Wichtiger Hinweis!!! Diese Flüssigkeit keinesfalls zur Reinigung von Schellackplatten verwenden!). Die Flüssigkeit kann mehrmals verwendet werden. Nach Gebrauch wird sie gefiltert um feste Verunreinigungen zurückzuhalten. Natürlich bleiben gelöste Bestandteile wie Teer (Nikotin) und Fette in der Lösung. Darum wechsele ich die Reinigungsflüssigkeit in nicht allzu großen Abständen. Dann ist der Reinigungsgrad auch durchwegs ausreichend.
Die Ansprüche für höchstes „High-End"-HiFi darf man natürlich nicht zu Grunde legen aber das Preisleistungsverhältnis der „Knosti" ist unschlagbar und selbst ehemals nass abgetastete Platten sind danach wieder in einem anhörbaren Zustand. Zur unterstützenden Reinigung verwende ich außerdem Microfasertücher.


Abschließend erhält jede Platte eine neue, saubere Innenhülle. Diese kosten je nach Qualität und Abnahmemenge zwischen 10 und 30 Cent. Auch hier versuche ich wirtschaftlichen Gesichtspunkten gerecht zu werden. Ich meine, eine Schallplatte für einen Euro braucht eine saubere Innenhülle, aber keineswegs eine „Edelkuscheltüte". Zwar ist bei den billigen Qualitäten das Papier sehr dünn und mit einem Ausschuss aufgrund fehlerhafter Verklebung des Kunststofffutters muss in einer Höhe von 3 - 5% gerechnet werden, trotzdem finde ich das noch ganz in Ordnung.
 2 Cover und Label

Ich weiß immer noch nicht was Menschen dazu verleiten mag ihre Schallplatten und Cover mit ihren eigenen Ergüssen zu Kennzeichnen, aber es kommt eben doch sehr oft vor. Der Erfolg diese wieder zu entfernen ist abhängig von der Art des Covers. Grob kann man Cover in drei Arten einteilen.
2.1 Cover matt bedruckt

(vorwiegend US, DDR und Ostblock-Pressungen)

Von dieser Art Cover gibt es praktisch keine Möglichkeit Beschriftungen gleich welcher Art zu entfernen. Bei allen von mir angewandten Versuchen hat sich die Bedruckung des Covers mit abgelöst. Ich verzichte zwischenzeitlich auf dermaßen verunzierte Platten oder aber habe zumindest alle weitere Versuche aufgegeben diese zu Reinigen. Der Schaden ist größer als das Erfolgsergebnis.
 2.2 Cover glänzend bedruckt

(vorwiegend europäische Pressungen ab 1975)

Hier lassen sich Filzstift und auch wasserfeste Marker mit einem in Spiritus getränkten Lappen oder Tempotaschentuch sehr gut wieder reinigen. Dabei darf jedoch keinesfalls zu lange und oder zu fest über das Cover gerieben werden. Selbst Kugelschreiber lässt sich, vorausgesetzt es wurde nicht zu stark aufgedrückt wieder entfernen.
 2.3 Cover mit Kunststofffolie laminiert

(vorwiegend deutsche Pressungen bis 1980)

Von laminierten Covern lassen sich nachträgliche Beschriftungen fast immer vollständig mit Spiritus entfernen, vorausgesetzt die Laminierung wurde nicht beschädigt. Da diese Folien im Alter dazu neigen sich ohnehin von den Covern abzulösen kann man sie aber auch vollständig abziehen. Unter den oftmals stark vergilbten Folien kommt dann wieder ein fast neuwertiges Cover zum Vorschein.
2.4 Plattencover mit Aufklebern

Preisetiketten, Werbeaufkleber, Namensetiketten und sonstige auf Plattencovern aufgebrachte Hinterlassenschaften stören das Erscheinungsbild. Diese werden von mir weitgehend entfernt. Dazu verwende ich einen Etikettenlöser auf Terpentinbasis der Firma UHU. Die dickflüssige Lösung wird mit einen Pinselchen satt auf das Etikett aufgetragen. Nach einer Einwirkzeit von ca. 10 Minuten lassen sich diese dann in der Regel sehr leicht entfernen. Reste werden mit einem feucht Lappen abgewischt. Auf den matt bedruckten Covern ist an einer unauffälligen Stelle zu prüfen ob sich die Lösung mit der Bedruckung verträgt. Aber auch hier habe ich weitgehend gute Erfahrungen gemacht.
2.5 Beschriftete und beklebte Plattenlabel

Die Labels der Platten sind sehr sensitiv. Bisher ist es mir noch nie gelungen Markierungen und Aufkleber von diesen mit einem akzeptablen Ergebnis zu beseitigen. Gerade bei Pressungen aus dem Ostblock können Versuche in einer vollständigen Zerstörung des Labels enden. Ich habe alle Aktivitäten in dieser Richtung eingestellt und belasse Plattenlabels grundsätzlich wie sie sind. Wer eine geeignete Methode kennt möchte sich doch bitte mit mir in Verbindung setzen.
 2.6 Sonderfall Schimmel

Es gibt Schallplatten die nach vielen Jahren Schattendaseins in feuchten und muffigen Kellern, aber auch nach einer mehrmonatigen, ausgedehnten Tournee über die Flohmärkte der Region im wahrsten Sinne des Wortes ein Eigenleben entwickeln. Ich meine, die Cover Schimmeln.
Neben der mehr oder weniger starken Schädigung des Covers entwickeln sie hierbei auch noch eine Ausdünstung, die nicht immer angetan ist diese Platten im Wohnzimmerregal aufzubewahren.
Schlimme Exemplare meide ich (Schimmelpilz = Gesundheitsgefährdung!!) oder ich entsorge sofort Cover und Innenhülle und behalte der Musik wegen nur das Vinyl. Für leichtere Fälle habe ich folgende Vorgehensweise:
Cover von innen und außen mit einem spiritusfeuchten Lappen leicht abreiben anschließend mit Sagrotanspray besprühen. Nach dem Trocken besprühe ich das Cover mit einer Mischung aus Odex und Wasser.

Odex ist ein Grundstoff der Kosmetikindustrie. Er neutralisiert Gerüche. Er ist im stark verdünnten Zustand ungefährlich und ungiftig und zur direkten Anwendung an Mensch und Tier geeignet. Aufgrund einer Allergie gegen Konservierungsstoffe in Kosmetika verwende ich Odex als Deodorant. Den Stoff gibt es Läden, die sich auf den Verkauf von natürlichen Grundstoffen für die Selbstherstellung von Körperpflegemitteln und Kosmetika spezialisiert haben.
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